Der Berliner Radentscheid ist eine Revolution

Der Gesetzestext des Radentscheids ist fertig. Bitte verabschieden!

Der Gesetzestext des Radentscheids ist fertig. Bitte verabschieden!

In Berlin haben Radaktivisten den Text für ein Radverkehrsgesetz fertiggestellt, der das Zeug zur Revolution hat. Nach Jahrzehnten des Stillstands markiert der Berliner Volksentscheid Fahrrad einen überfälligen Generationswechsel unter den Radaktivisten. Die "Neuen Radfahrer" wollen nicht mehr länger die Mär vom gefährlichen Radweg hören, sie wollen nicht als Vehikel zweiter Klasse auf für den Autoverkehr zugerichtete Fahrbahnen gezwungen werden, wie es ihnen die Apologeten des Autoartigen Radfahrens einreden. Nein, die Neuen Radfahrer wollen eigene Wege, frei von Autos und Fußgängern, sie wollen ihren eigenen Platz im Stadtverkehr, sie wollen sichere Wege für alle, vom Schulkind bis zum Rennradler im Rentenalter.

Die Neuen Radfahrer glauben nicht mehr, dass autofreie Fahrradwege böse sind. Sie lassen sich nicht mehr so leicht von Aktivisten hinters Licht führen, denn die Neuen sind digital versierte Europäer: Sie lesen die englischsprachigen Blogs übers Radfahren in den Niederlanden, kennen den Bicycle Dutch und David Hembrow, sehen auf deren YouTube-Videos, dass das Fahrradparadies nicht nur möglich ist, sondern real existiert.

Wie bei einer echten Revolution üblich, rollen die Köpfe und es geht der alten Deutungsmacht an den Kragen. In Berlin löste der Radentscheid einen so heftigen Streit beim ADFC aus, dass schließlich eine neue Generation an die Spitze des Fahrradclubs kam.

Das verwundert nicht: In den vergangenen Jahren war der ADFC vielerorts als Anti-Radweg-Lobby aufgetreten, agitierte mehr oder weniger offen gegen das niederländische Modell eines separierten Radverkehrs, predigte das Autoartige Radfahren und freute sich diebisch über die Demontage von blauen Radwegschildern.

Aus der Ferne kann ich es nicht beurteilen, aber mir scheint, dass eine solche Haltung auch in Berlin vielen ADFC-Mitgliedern suspekt geworden ist, sodass der Streit um den Radentscheid Anlass für einen Personalwechsel wurde. Er bringt hoffentlich auch einen Mentalitätswechsel mit sich. Einige der Namen im neuen Vorstand lassen wirklich darauf hoffen!

Und hier in Köln? Mit "Ring frei" und dem auch von Radaktivisten mitbetragenen Ratsbeschluss zur "Abschaffung der Radwegebenutzungspflicht" zeigte es sich zuletzt tief verwurzelt im Gestern. Hier sieht man immer noch im vorhandenen, nicht im fehlenden Radweg das Problem. Vielleicht vernebelt gerade die Nähe zu Holland das Hirn und verhindert der Neid die Einsicht, dass die Nachbarn das mit dem Radfahren echt gut hingekriegt haben.

Aber wer weiß: Schon mehrmals haben die Preußen die Kölner zu ihrem Glück gezwungen. Ich sage nur: der Dom.

Category: Bike
Tags: bike bicyle radwege sicherheit