Henriette Reker: "Ich fahre in Köln kein Rad"

Eingeklemmt auf dem Hansaring

Eingeklemmt auf dem Hansaring

Die neue Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat heute ihr Amt angetreten. Mich hatte Frau Reker durch ihren Auftritt auf der Radkomm überzeugt. Dort gab sie unumwunden zu, dass sie in Köln kein Fahrrad fährt - denn Radfahren hier mache ihr zuviel Angst. Mir wurde schlagartig klar: Diese Frau hat das Kernproblem des Radverkehrs in Köln besser erkannt, als das Gros der 250 Rad-Aktivisten im Publikum.

Konfliktraum Fahrbahn: Der Sieger ist immer das Auto

Konfliktraum Fahrbahn: Der Sieger ist immer das Auto

Radfahren in Köln macht Angst.

Reker gestand ein, dass sie selbst nur am Wochenende Rad fährt, und das am liebsten im Park, wo sie gemütlich vor sich hinradeln kann, ohne um ihr Leben fürchten zu müssen. Sie ist eine Sonntagsradlerin, wie es Tausende in Köln gibt: All diese Menschen würden gerne mehr Rad fahren, würden gerne das Auto stehen lassen und mit dem Rad ins Rathaus radeln, haben davor aber schlicht und ergreifend zu viel Angst.

Ring frei: Da war früher ein Radfahrer.

Ring frei: Da war früher ein Radfahrer.

Diese Kölnerinnen und Kölner werden nie aufs Rad steigen, wenn man ihnen die wenigen angstfreien Räume nimmt, die Köln für Radfahrer noch bereithält: die Radwege. Genau das fordern aber die sogenannten Kritiker der "Radwegebenutzungspflicht". Ihr eigentliches Zielobjekt ist seit Jahren der Radweg. Ihn denunzieren sie als Getto, er ist für sie die einzige Unfallursache.

Dass ich paranoid bin, heißt nicht, dass mich niemand verfolgt.

Dass ich paranoid bin, heißt nicht, dass mich niemand verfolgt.

Dabei erkennen die "Radwegebenutzungspflichtkritiker" nicht, dass ihre Forderungen längst Mainstream sind. Ihre Agitation gegen die Separierung von Rad und Auto hat bewirkt, dass sich deutsche Verkehrsplaner selbst auf der grünen Wiese, selbst bei neu angelegten Straßen nicht mehr trauen, Radwege anzulegen. Nur ein Beispiel: "Prima Colonia", die fahrradfreie Siedlung vor den Toren der Stadt, ist komplett radwege-frei. Der Abschaffung-Der-Fahrradwege-Club hat das Wort bereits vor Jahren aus seinem Grundsatzprogramm gestrichen. Auch auf der Radkomm schwappte dieser Radwegehass immer wieder auf, zum Beispiel als der Münchner Redner unter Applaus von der Demontage eines Radweges in seiner Stadt berichtete.

Frau Reker weckte in mir bei der Radkomm die Hoffnung, dass mit ihr wieder gesunder Menschenverstand Einzug in die Kölner Radverkehrswelt hält. Vielleicht wird es mit ihr wieder möglich, den Radweg als das wichtigste Gestaltungsmittel wahrzunehmen, das eine fahrradfreundliche Kommune hat. Er mag da überflüssig sei, wo das Auto bereits verschwunden ist - doch an Straßen wie der Inneren oder auch auf den Ringen geht ohne Radwege nur ein Krieg los, in dem das Fahrrad keine Chance hat.

Meine Hoffnung ist natürlich vergeblich: Denn beraten wird auch die neue Oberbürgermeisterin von einer breiten Allianz gegen Radwege. Angstfreie Schutzräume für Radler sind mit diesem Stadtrat nicht zu machen, das ist mir inzwischen klar geworden

Schade.

Bleibt nur ein Ausweg: der Fußweg.

Wo kein Radweg ist, suchen wir uns einen.

Wo kein Radweg ist, suchen wir uns einen.

Category: Bike
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