Vuvuzela-Drone

Here's a reply I posted on the nice Berliner Gazette blog as a reply to a post that worked out the racist undertone in some anti-Vuvuzela articles on the web or in German media. Sorry, it's in German only.

Ich empfehle als weiterführende Literatur das Kapitel zu "Drone (bourdon)" aus Sonic Experience von J.-F Augoyard und H. Torgue. Zu lang, um es hier zusammenzufassen, aber natürlich fällt das Dröhnen der Vuvuzelas in diese Kategorie, wie auch das des Straßenverkehrs, der im 50/60-Hz-Stromnetz angeschlossenen Geräte, des Computerlüfters, des Zementmischers, der Hintergrundberieselung durch TV/Radio, der Tinnitus usw.

Drone ist allgegenwärtig, und gerade deshalb auch eine Klangwirkung, an die man sich gewöhnen kann bzw. muss. Denn die meisten Drones kann man eben nicht ausfiltern oder verbieten. Drones, an die man gewöhnt ist, werden psychologisch ausgeblendet und sind deshalb nicht mehr "störend". Taucht aber ein neuer, ungewohnter Drone auf, so stört er umso mehr, er erzeugt eine Abwehrhaltung. Das passiert gerade mit der Vuvuzela.

Auch die Fußballübertragung im TV zeichnet sich schon immer durch einen Drone aus, den das Publikum erzeugt. Vuvuzela sind hier eine neue Variante, ein Super-Dröhnen über dem Gewohnten. Das ist keinesfalls neu, man denke nur an die "Go West"-Gesänge (berühmt in der "Hier kommt der BVB!"-Version), mit denen man in den 90ern ebenfalls einen neuen Klangeffekt dem bekannten Dröhnen hinzugefügt hatte. Solche Stadionklänge haben vor allem den Zweck: zu nerven, und zwar am besten den Gegner. Ihnen das Nerven vorzuwerfen, ist also zwecklos. Wobei "Go West" selbst natürlich kein Drone ist, der sich gerade durch eine konstante Frequenz auszeichnet, sondern als repetitive Melodie über dem Grunddrone hervortritt. (S.a. "Repetition"-Effect bei Augoyard/Torque)

Weil bei den WM-Spielen mehrere Drones zusammenkommen, ist es auch so schwierig, den "störenden" neuen Drone gesondert auszufiltern. Es wird immer auch etwas der gewünschten Drones erwischt, die für die "Atmosphäre" des Spiels sorgen. Man könnte natürlich den gesamten Publikumssound ausfiltern - einfach den Moderator in eine schalldichte Kapsel setzen und nur seinen Ton übertragen. Bei der öffentlichen Fußball-Leichenschau ("Public Viewing") gibt es ja genug lokalen (nationalen?) Drone, der übrig bliebe.

Jetzt kann man natürlich kulturphilosophisch werden und dieses Filtern und Aussondern unerwünschter ausländischer Klänge auf die Migrationspolitik umbrechen. Das hat was für sich, sind doch bestimmte Einwanderer hierzulande erwünscht (wie Kanzler Schröders Green-Card-Computer-Inder), andere werden an den heute ja jubiläumswürdigen Schengener Außengrenzen Europas aufgehalten.

Diese gedankliche Route überlasse ich mal den Experten.

Category: Sound
Tags: sound drone effect football soccer